Spitalradiotag 2026: Wenn Radiofreunde Luzern zum Klingen bringen
- M. Ammann
- vor 4 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
30 Radioleute aus der Schweiz und Deutschland erlebten einen abwechslungsreichen Jubiläumstag in der Leuchtenstadt.

Sonne, See und Sendefieber: Spitalradiotag 2026 in Luzern
Es gibt Tage, die beginnen schon so vielversprechend, dass man fast misstrauisch werden könnte. Der Samstag, 13. Juni 2026, war so einer. Nach mehreren Tagen mit Regen, kühleren Temperaturen und eher grauem Himmel präsentierte sich Luzern plötzlich wie frisch herausgeputzt: Sonne, stahlblauer Himmel, keine Wolke weit und breit. Fast so, als hätte jemand bei Meteo Schweiz rechtzeitig angerufen und gesagt: «Heute bitte Festprogramm.»
Und genau das stand an: Der Spitalradiotag 2026, in diesem Jahr organisiert von Spitalradio LuZ. Anlass dafür war das 35-jährige Bestehen des Spitalradios am Luzerner Kantonsspital. Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter der Schweizer Spitalradios sowie Gäste aus Deutschland. Nachdem sich Spitalradio Winterthur vor wenigen Wochen offiziell aufgelöst hat, sind in der Schweiz aktuell noch die Spitalradios in Frauenfeld und Luzern aktiv. Umso wichtiger war dieser Tag: als Begegnung, als Austausch, als Zeichen, dass Spitalradio auch heute noch lebt, verbindet und Menschen erreicht.
Angemeldet waren 30 Personen: fünf Gäste vom Klinikfunk Bietigheim-Ludwigsburg aus Deutschland, 13 Teilnehmende von Radio S aus Frauenfeld und zwölf Personen vom Gastgeber Spitalradio LuZ. Eine Delegation des Krankenhaus-Radios aus Wiesbaden musste leider absagen. Doch auch ohne Wiesbaden war klar: Luzern war an diesem Tag gut gefüllt mit Radioherz, Mikrofonliebe und Menschen, die wissen, dass man auch mit Kopfhörern auf den Ohren sehr gut zuhören kann.
Auftakt im Studio: Wo Spitalradio LuZ zu Hause ist
Noch vor dem offiziellen Start bestand für interessierte Teilnehmende die Möglichkeit, das Studio von Spitalradio LuZ zu besuchen. Rund acht Personen nahmen dieses Angebot wahr und machten sich bereits um 9 Uhr auf den Weg ins Personalwohnhaus 2 an der Spitalstrasse, wo sich die Räumlichkeiten von Spitalradio LuZ befinden.
Dort konnten sie einen Blick hinter die Kulissen werfen: ins Studio, in dem Sendungen entstehen, Interviews geführt werden, Musik geplant wird und manchmal vermutlich auch jener legendäre Moment stattfindet, in dem man sich fragt: «Wo ist jetzt schon wieder dieses eine Kabel?»
Um 10.08 Uhr ging es dann mit dem Bus der Linie 19 vom Luzerner Kantonsspital in Richtung Innenstadt. Ziel war der Bahnhof Luzern und anschliessend der Wagenbach-Brunnen vor dem KKL. Dort warteten bereits weitere Teilnehmende. Die Kulisse hätte kaum schöner sein können: das Seebecken, das KKL, der Europaplatz, Brunnenrauschen, Möwenrufe und Luzern in Bestform. Die Handys waren entsprechend schnell gezückt. Es darf davon ausgegangen werden, dass an diesem Tag nicht nur Radiogeschichte, sondern auch einige Gigabyte Fotomaterial entstanden sind.
Gelbes Logo, Glocke und klare Ansagen
Um 11.33 Uhr waren alle 30 Teilnehmenden vor Ort. Jürg Freudiger, OK-Verantwortlicher des Spitalradiotages 2026, begrüsste die Gruppe und machte gleich deutlich: Dieser Tag ist organisiert, durchdacht und wird straff geführt. In seiner Hand: eine Glocke und ein gelbes A4-Blatt.
Die Regeln waren einfach und wirkungsvoll. Wenn die Glocke ertönt, ist Aufmerksamkeit gefragt. Zeigt das gelbe Blatt die Zahl 10, bleiben noch zehn Minuten bis zum nächsten Programmpunkt. Zeigt es das Spitalradio LuZ Logo, gilt: Folgen. Im Prinzip also wie bei einer touristischen Stadtführung, nur mit mehr Radio, mehr Herzblut und einem Guide, der statt Fähnchen ein gelbes Spitalradio-Signal dabei hatte.
Anschliessend begrüsste Andi Balsiger, Präsident von Spitalradio LuZ, die Gäste aus der Schweiz und aus Deutschland offiziell in der Leuchtenstadt. Die Freude war gross, dass die Spitalradio-Familie an diesem Jubiläumstag in Luzern zusammenkam.
Hinter den Kulissen des KKL: Weltklasse mit Gänsehautmomenten
Danach ging es ins KKL Luzern. Für die Führung wurden zwei Gruppen gebildet: eine deutschsprachige Gruppe, in der unter anderem die Gäste aus Deutschland gesetzt waren, und eine zweite Gruppe, die in Schweizerdeutsch geführt wurde. Durch das KKL begleiteten Herr Wandeler und Frau Huang-Schaumberger die Teilnehmenden. Beide verstanden es ausgezeichnet, Fakten, Geschichten und architektonische Besonderheiten lebendig zu vermitteln.
Das Kultur- und Kongresszentrum Luzern, kurz KKL, gehört zu den bekanntesten Bauwerken der Schweiz. Entworfen wurde es vom französischen Stararchitekten Jean Nouvel. Der Konzertsaal wurde am 18. August 1998 eröffnet, das Gesamtgebäude folgte im Jahr 2000. Das markante Dach, das weit über den Europaplatz hinausragt, ist längst zu einem Wahrzeichen Luzerns geworden. Gebaut wurde das KKL für rund 226,5 Millionen Franken.
Besonders eindrücklich war der Besuch im weltberühmten Konzertsaal, der wegen seiner Farbe auch «Salle blanche», also weisser Saal, genannt wird. Ursprünglich hätte dieser Saal nach den Vorstellungen von Jean Nouvel blau werden sollen. Daraus wurde bekanntlich nichts. Der Dirigent Claudio Abbado soll die blaue Variante gar nicht goutiert haben und fand, eine solche Farbigkeit könne man ernsthaften Musikerinnen und Musikern kaum zumuten. Man darf sagen: Wenn Claudio Abbado beim Farbkonzept die Stirn runzelt, wird selbst ein Stararchitekt kurz still.
Heute strahlt der Konzertsaal in Weiss und gilt international als akustisches Meisterwerk. Rund 1898 Sitzplätze, raffinierte Proportionen, 24’000 quadratische Gipsreliefs und eine ausgeklügelte Akustik sorgen dafür, dass Musik hier eine besondere Wirkung entfaltet. Verantwortlich für die Akustik war der renommierte Akustiker Russell Johnson.
Fast schon unheimlich war die Stille im Saal. Bei rund 19 Dezibel wird es so leise, dass man plötzlich Dinge hört, die man im Alltag kaum wahrnimmt: das eigene Atmen, ein Rascheln, vielleicht sogar den inneren Gedanken: «Hoffentlich klingelt jetzt kein Handy.» Nach dem lebhaften Europaplatz mit Brunnenrauschen, Möwengeschrei und Stadtbetrieb war diese Ruhe ein eindrücklicher Kontrast.
Der Applaus für die beiden Guides war entsprechend mehr als verdient.
Fototermin mit Kapellbrücke: Luzern liefert
Nach der KKL-Führung ging es um 12 Uhr weiter. Natürlich hinter dem gelben Spitalradio LuZ Logo in Jürgs Hand. Ziel war die Seebrücke, wo der erste Fototermin mit Blick auf Kapellbrücke und Wasserturm wartete.

Die Kapellbrücke ist das wohl berühmteste Wahrzeichen Luzerns. Sie ist rund 204 Meter lang, führt gedeckt über die Reuss und ist zusammen mit dem Wasserturm eines der meistfotografierten Sujets der Schweiz. Die Brücke stammt aus dem Mittelalter und war einst Teil der Stadtbefestigung. Weltweit für Schlagzeilen sorgte der verheerende Brand vom 18. August 1993, bei dem ein grosser Teil der Brücke und viele der historischen Bildtafeln zerstört wurden. Heute ist sie wieder aufgebaut und zieht Jahr für Jahr zahlreiche Besucherinnen und Besucher an.
Bei diesem Wetter war der Fototermin ein Geschenk. Luzern zeigte sich von seiner besten Seite. Wer an diesem Tag kein schönes Foto machte, musste vermutlich versehentlich die Linse mit dem Daumen verdeckt haben.
Für die richtigen Erinnerungsbilder sorgte Profifotograf Bruno Gisi von Spitalradio LuZ. Mit Spiegelreflexkamera und geübtem Auge machte er Gruppenfotos auf der Rathaussteg-Brücke, einmal mit allen Teilnehmenden und danach auch geordnet nach den einzelnen Radios. Im Hintergrund: die berühmte Kapellbrücke. Diesmal aus einer etwas anderen Perspektive, aber nicht weniger eindrucksvoll.
Mittagspause im Rossini: Pasta, Gespräche und Radiogeschichten
Nach so viel Architektur, Geschichte und Fotoposen meldete sich bei vielen langsam der Hunger. Da kam das Mittagessen im Ristorante Rossini direkt neben der Kapellbrücke gerade richtig. Die Lage war wunderbar: Blick auf die neue autofreie Luzerner Bahnhofstrasse, den Wasserturm hinter den Kastanienbäumen und mittendrin 30 Radioleute, die nach dem Vormittagsprogramm bereit waren für eine Stärkung.
Serviert wurde ein bunter Blattsalat als Vorspeise, danach Penne mit würziger Bolognese-Sauce oder Gemüsesauce und zum Abschluss zwei Kugeln Glace. Weil die Bestellungen bereits zu Beginn des Spitalradiotages aufgenommen worden waren, klappte der Service hervorragend. Fast so, als wäre auch die Küche mit einem Sendefahrplan unterwegs gewesen.
Die Mittagspause bot aber weit mehr als nur gutes Essen. Während der rund zwei Stunden wurde erzählt, gelacht, diskutiert und über die Arbeit der einzelnen Radios gesprochen. Natürlich wurden auch Interviews aufgenommen. Wenn Radioleute zusammensitzen, dauert es meistens nicht lange, bis irgendwo ein Mikrofon auftaucht. Es ist ein bisschen wie bei Zauberern mit Spielkarten: Man weiss nie genau woher, aber plötzlich ist eines da.
Auch zahlreiche Fotos entstanden, um den Tag zu dokumentieren. Ein Teil davon ist am Ende des Beitrages zu sehen.
Ein besonderes Dankeschön gilt dem Team des Ristorante Rossini. Loran, Chef de Service, und Claudia vom Service stehen stellvertretend für die freundliche und aufmerksame Betreuung, die unsere Mittagspause in dieser schönen Atmosphäre zusätzlich bereicherte.
City-Train: Fast alle an Bord
Anschliessend führte der Weg Richtung Franziskanerplatz. Dort wartete als nächster Programmpunkt der City-Train. Die Vorfreude war gross, denn eine Stadtrundfahrt mit einer touristischen Attraktion durch Luzern macht man auch als Einheimischer nicht alle Tage. Und wenn doch, gibt man es vielleicht nicht immer sofort zu.
Doch um 15 Uhr kam es etwas anders als geplant. Obwohl die Rundfahrt im Vorfeld reserviert und bestätigt worden war, hatte es nicht genug Platz für alle 30 Personen. Der vordere Wagen wurde rasch durch eine weitere Touristengruppe gefüllt, sodass für rund sieben Personen kein Platz mehr blieb. Vor allem jene, die Luzern bereits kannten oder die Stadtrundfahrt schon einmal erlebt hatten, verzichteten zugunsten der anderen.
Ganz zufriedenstellend war diese Situation nicht, und sie trübte verständlicherweise die Stimmung von Organisator Jürg etwas. Die Angelegenheit wird sicher noch geklärt. Denn wenn 30 Radioleute angemeldet sind, dann sollten idealerweise auch 30 Radioleute fahren können. Sonst fehlt am Ende nicht nur ein Sitzplatz, sondern fast eine ganze Moderationsrunde.
Für jene, die mit dem City-Train unterwegs waren, wurde die Fahrt aber zu einem schönen Erlebnis. 45 Minuten lang ging es durch Luzerns Gassen, vorbei an alten Häusern, historischen Plätzen und den Türmen der Museggmauer. Besonders in Erinnerung blieb der Fahrer, der nicht nur sprach, sondern zwischendurch auch noch Blockflöte spielte. Luzern kann eben nicht nur Postkartenidylle, sondern auch überraschende Live-Musik auf Rädern.
Abschluss an der Reuss: Apéro mit Wasserrauschen
Nach der Stadtrundfahrt trafen sich alle wieder und machten sich gemeinsam auf den Weg zum Reusswehr. In der Gartenwirtschaft des Restaurants Taube wartete der Abschluss-Apéro. Neben den reservierten Tischen rauschte die Reuss kraftvoll vorbei und gab dem letzten offiziellen Programmpunkt eine besondere Atmosphäre. Fast hätte man meinen können, der Fluss wolle ebenfalls noch einen Beitrag zur Tonkulisse des Tages leisten.
Bei Getränken, Gesprächen und guter Stimmung wurde weiter diskutiert, gelacht und interviewt. Auch die Kameras kamen nochmals zum Einsatz. Schliesslich wollte man die letzten Eindrücke dieses abwechslungsreichen Tages festhalten.
Um 17 Uhr ging der offizielle Teil des Spitalradiotages zu Ende. Andi Balsiger bedankte sich bei Jürg Freudiger für die Organisation sowie bei allen Teilnehmenden für das aktive Mitmachen und die Teilnahme. Auch die offiziellen Vorstandsvertreter von Radio S, Michi Stöckli, und vom Klinikfunk Bietigheim-Ludwigsburg, Carsten Sauerwald, richteten dankende und lobende Worte an die Runde.
Aus Deutschland kam zudem bereits ein Ausblick auf ein kommendes Jubiläum: Der Klinikfunk Bietigheim-Ludwigsburg feiert am 18. September 2027 seinen 50. Geburtstag und lud die Anwesenden schon jetzt zum Fest in die Stadthalle (Kronenzentrum) ein.
Mit einem gemeinsamen Applaus endete der offizielle Teil. Danach trennten sich die Wege. Einige machten sich auf den Heimweg, andere liessen den Tag noch gemeinsam ausklingen.
Über den Dächern von Luzern
Rund 20 Personen zogen weiter zu einem Abendessen inklusive Apéro über den Dächern von Luzern. Ziel war die Suite Rooftop Lounge & Bar auf dem Dach des Hotel Monopol, wo der Tag mit Aussicht auf Stadt, See und Berge nochmals eine besondere Schlussszene erhielt.
So ging ein Spitalradiotag zu Ende, der vieles vereinte: Begegnungen, spannende Einblicke, Luzerner Sehenswürdigkeiten, gute Gespräche, kleine Pannen, grosse Herzlichkeit und viel gemeinsames Lachen. Der Samstag, 13. Juni 2026, wird in Erinnerung bleiben als jener Tag, an dem sich die Spitalradio-Familie in Luzern traf, um gemeinsam zu feiern, sich auszutauschen und zu zeigen: Spitalradio mag eine kleine Radiowelt sein, aber sie hat ein grosses Herz.
Und manchmal braucht es dafür nur Sonne, See, eine Glocke, ein gelbes Logo und Menschen, die Radio nicht nur machen, sondern leben.









































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